französische Sprache


französische Sprache
französische Sprache,
 
eine der romanischen Sprachen. Sie wird von rd. 100 Mio. Menschen (davon rd. 57 Mio. in Frankreich) gesprochen; in Europa (abgesehen von Frankreich) v. a. in Belgien (besonders in Wallonien), in der französischen Schweiz, in Luxemburg, Monaco und zum Teil in Italien (v. a. Aostatal); außerhalb Europas in Nordamerika v. a. in Kanada sowie in einigen Sprachinseln in den USA; in Mittelamerika auf Haiti, Martinique und Guadeloupe; in Südamerika in Französisch-Guayana; in Afrika v. a. im Maghreb (Marokko, Algerien, Tunesien), auf Madagaskar, Mauritius, Réunion, den Komoren (Mayotte) und den Seychellen sowie in zahlreichen anderen Staaten Afrikas; in Asien v. a. in einigen arabischen Staaten (besonders Libanon), zum Teil auch in Indien (Pondicherry u. a.) sowie im ehemaligen Indochina; in Ozeanien in Neukaledonien, Französisch-Polynesien und Vanuatu (Neue Hebriden). Ist die französische Sprache auch nicht in allen diesen Gebieten (alleinige) Amtssprache, so spielt sie doch eine wichtige Rolle als Kultur-, Handels- und Verkehrssprache. Darüber hinaus kommt der französischen Sprache als Sprache der Diplomatie und des Rechts auf internationaler Ebene große Bedeutung zu.
 
Zu den nicht französisch-sprachigen Minderheiten innerhalb Frankreichs Frankreich, Bevölkerung.
 
 Geschichte und Eigenart
 
In der Entwicklung der französischen Sprache werden drei Perioden unterschieden: Altfranzösisch (9.-14. Jahrhundert), Mittelfranzösisch (14.-16. Jahrhundert) und Neufranzösisch (seit dem 16. Jahrhundert).
 
 
und Mittelfranzösisch: Mit der Romanisierung Galliens, einem bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. andauernden Prozess, wurde die lateinische Sprache in Form des Vulgärlateins (lateinische Sprache) seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. in der späteren römischen Provinz Gallia Narbonensis, seit der Eroberung durch Caesar 58-51 v. Chr. auch im übrigen Gallien verbreitet. Die nördlich der Loire gesprochene Variante des Lateins unterschied sich jedoch von derjenigen südlich dieser Linie aufgrund der weniger intensiven Romanisierung des Nordens durch den stärkeren Einfluss keltischer Substratsprachen (besonders des Gallischen, wovon Reste v. a. in Orts- und Eigennamen, z. B. Virodunum > Verdun, Lugdunum > Lyon, sowie in Begriffen der ländlichen Kultur erhalten sind). Seit der Entstehung germanischer Reiche auf gallischem Boden (Tolosanische Reich der Westgoten südlich der Loire, Burgunderreich im Osten und Fränkisches Reich nördlich der Loire) wurde die sprachliche Differenzierung zwischen dem Norden und dem Süden noch gefördert. Die fränkische Sprache wirkte nördlich der Zone zwischen Loire, Somme und Maas als Superstrat auf das Galloromanische ein, was sich v. a. im Wortschatz auswirkte; zahlreiche Termini aus dem juristischen (fief »Lehen«, ban »Bann«), Verwaltungs- (maréchal »Marschall«) und militärischem (haubert »Panzerhemd«, garde »Wache«, guerre »Krieg«) Bereich sowie den Bereichen Hausbau, Wohnung (salle »Saal«, auberge »Herberge«, fauteuil »Sessel«) und Landwirtschaft (blé »Korn«, troupeau »Herde«) sind fränkischen Ursprungs. Daneben beeinflusste das Fränkische auch das phonologische System des Galloromanischen, besonders durch das - im Französischen bis ins 16./17 Jahrhundert als Spirant und noch heute in einigen Dialekten artikulierte - »h aspiré«, das die Bindung eines Konsonanten an das mit »h« anlautende Folgewort verhindert (z. B. in honte »Scham«, »Schande«). Daneben hinterließen die Normannen, die im 9. Jahrhundert die Gebiete an der unteren Seine eroberten, lexikalische Spuren (v. a. in den Bereichen von Schifffahrt und Fischfang).
 
Im Fränkischen Reich existierten »lingua theotisca« (deutsche Sprache) und »lingua rustica romana« (galloromanische Sprache) rd. drei Jahrhunderte nebeneinander. Da das Vulgärlatein raschen Veränderungen unterworfen war, wurde es schon im 8. Jahrhundert von der Bevölkerung im Allgemeinen nicht mehr verstanden. Das Konzil von Tours (813) forderte deshalb die Priester auf, die »rusticam romanam linguam sive theotiscam« (d. h. entweder die galloromanische oder die deutsche Sprache) in Predigt und Unterricht zu verwenden. Dennoch blieb im gesamten Mittelalter der Primat des Lateinischen als Unterrichts-, Kirchen-, Verwaltungs- und Wissenschaftssprache bestehen. Bereits im 7./8. Jahrhundert waren der Norden und der Süden des heutigen Frankreich linguistisch deutlich unterschieden; im Norden entstand die »langue d'oïl«, die Ausgangsbasis des heutigen Französisch, im Süden die »langue d'oc«, die okzitanische oder provenzalische Sprache (»oïl« und »oc« sind die jeweiligen Formen der Bejahungspartikel). Zwischen Norden und Süden bildete sich eine sprachliche Übergangszone, das Frankoprovenzalische, heraus (Dauphiné, Lyonnais, Bresse, Savoyen, Aostatal), das im Vokalismus dem Provenzalischen, im Konsonantismus dem Nordfranzösischen entsprach.
 
Die ersten schriftsprachlichen Zeugnisse in altfranzösischer Sprache sind die altfranzösischen Eidesformeln in den »Straßburger Eiden« (842) und die »Eulaliasequenz« (um 881). Das Altfranzösische weist gegenüber dem Vulgärlateinischen bezeichnende Veränderungen auf: im Lautsystem u. a. Wandel haupttoniger Vokale in offener Silbe (z. B. pena > peine), weitgehenden Schwund von Vokalen in unbetonter Silbe, Schwächung von auslautendem »a« zu »e«, Vorwegnahme der Nasalierung bei den den Nasalkonsonanten vorausgehenden Vokalen, Palatalisierung von »k« und »g« vor »a« und »au« (z. B. Carolus > Charles, causa > chose), Sonorisierung (zum Teil auch Schwund) von intervokalischen Verschlusslauten (z. B. securus > seur) und Reduktion von Konsonanten im Wortauslaut (z. B. murum > mur); der Lautwandel der haupttonigen Vokale in offener Silbe führte u. a. auch zum Wechsel des Stammvokals etwa in der Verbalflexion, der im späteren Französisch zum Teil wieder entfiel, z. B. altfranzösisch (je) pleure gegenüber (nous) plorons. Die morphologische Struktur wies (nach dem Verlust des lateinischen Neutrums) nur noch zwei Genera sowie ein Zweikasussystem mit zwei Numeri auf (Singular und Plural). Im 13. Jahrhundert wurden Lautsystem und Morphologie weiter vereinfacht: Die Zischlaute verloren das dentale Element, z. B. in Charles ([tʃ-] > [ʃ-]); der weitgehende Schwund der auslautenden Konsonanten führte zum Verlust des Zweikasussystems beim Substantiv (in der Regel setzte sich der Objektkasus gegenüber dem Subjektkasus durch), das (schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gesprochene) »s« wurde zum Pluralkennzeichen. Durch die Reduktion des lautlichen und morphologischen Systems wurden die Fixierung der syntaktischen Folge (Subjekt-Prädikat-Objekt) sowie die Markierung des Substantivs durch Artikel nötig. Im 14. und 15. Jahrhundert setzte sich die Tendenz zur Vereinfachung des lautlichen Inventars (u. a. durch Schwund des unbetonten »e« im Wortinnern und Reduzierung von Doppel- und Tripelvokalen (z. B. seur > sur, neufranzösisch sûr) und zum Formenausgleich (z. B. durch die lautliche Angleichung der Personalendungen beim Verb infolge des Verstummens des auslautenden »e«) fort; neben der Zunahme des Artikelgebrauchs beim Substantiv aufgrund der Reduktion der Wortstruktur (und der damit entfallenen Unterscheidungsfunktion der früheren Endungen) wurden (aus dem gleichen Grund) die Verbformen durch Pronomina gekennzeichnet.
 
Eine allgemein verbindliche Schriftsprache gab es in der altfranzösischen Periode noch nicht; es bestanden verschiedene, zum Teil auch literarisch bedeutsame Dialekte, darunter das Normannische (mit der in England gesprochenen Variante des Anglonormannischen, der Sprache des altfranzösischen Rolandslieds), das Champagnische (Sprache der höfischen Versepen von Chrétiens de Troyes), das Pikardische (dessen sich u. a. Adam de la Halle und Rutebeuf bedienten), das Burgundische, Lothringische und Wallonische sowie das Franzische, die Mundart der Île-de-France. Mit dem Macht- und Landzuwachs der französischen Krone seit dem 13. Jahrhundert und dem beginnenden Ausbau einer zentralistischen königlichen Verwaltung und Rechtsprechung erlangte das Franzische eine Vorrangstellung mit modellbildender Funktion.
 
 
Die Entwicklung der französischen Sprache im 16. Jahrhundert ist durch zwei Tendenzen gekennzeichnet: einerseits die Orientierung am Lateinischen (und Griechischen) als Folge von Renaissance und Humanismus, andererseits das wachsende Bewusstsein vom Wert der eigenen Sprache und das Bemühen um eine Erweiterung ihrer Ausdrucksfähigkeit (beide Tendenzen sind in J. Du Bellays »Défense et illustration de la langue française«, 1549, erkennbar). Das Vokabular wurde durch Lehnwörter aus dem Lateinischen (und Griechischen) bereichert. Auch in der Wortbildung machte sich der Einfluss lateinischer (und griechischer) Elemente bemerkbar; daneben ließ auch die Syntax Einflüsse des Lateinischen erkennen (etwa duch die Zunahme hypotaktischer gegenüber parataktischer Konstruktionen in der Schriftsprache). Bei der Erneuerung der Lexik wurden auch älteres französisches Wortgut sowie Dialektismen und französische fachsprachliche Termini berücksichtigt. Ferner setzte im 16. Jahrhundert die theoretische Auseinandersetzung mit der französischen Sprache ein; es entstanden Wörterbücher (z. B. von R. Estienne, 1539), Grammatiken (z. B. von L. Meigret, 1550) und eine bedeutende Übersetzungsliteratur (J. Amyot u. a.). Ebenso begünstigt wurden Entwicklung und Verbreitung der französischen Sprache durch die Erfindung des Buchdrucks sowie durch die Reformation (1530 erste Bibelübersetzung von J. Faber, 1541 Übersetzung der »Christianae religionis Institutio« durch den Verfasser, J. Calvin); auch als Sprache der Wissenschaft konnte sich die französische Sprache neben dem Latein etablieren; 1539 wurde Französisch zur alleinigen Urkundensprache bestimmt (Edikt von Villers-Cotterêts). Als Unterrichts- und Kirchensprache behielt das Latein seine führende Rolle.
 
Im 16. Jahrhundert setzten auch Bestrebungen zur Normierung der französischen Sprache in Grammatik, Wortschatz, Phonetik und Orthographie ein. In der Orthographie behauptete sich die etymologisierende (an der in der Regel lateinischen Wortherkunft orientierte) Richtung gegenüber der phonetischen, die für eine der Aussprache entsprechende Schreibung plädiert hatte. Im 17. Jahrhundert setzten sich - unterstützt vom absolutistischen Regime - die Normierungstendenzen fort. Besonders Archaismen, Dialektismen und Latinismen wurden als nicht regelgerecht (F. de Malherbe, 1606), dagegen der Sprachgebrauch der höfischen Gesellschaft und der klassischen Schriftsteller (der »bon usage«) als maßgeblich angesehen (F. de Vaugelas, 1647). Die 1635 gegründete Académie française wurde in Fragen der Grammatik, Lexikographie, Rhetorik und Poetik zur kodifizierenden Institution. Zahlreiche Wörterbücher entstanden (darunter das der Académie 1694); durch Beseitigung konkurrierender Formen in der Grammatik und die Eliminierung mangelnder begrifflicher Präzision in Lexik und Semantik entstand die (im Wesentlichen bis heute) normprägende Form der französischen Sprache, deren wichtigste lautliche, morphologische und syntaktische Veränderungen damit abgeschlossen waren. Im 17. und besonders im 18. Jahrhundert entwickelte sich das Französische zur internationalen Kultursprache. Besonders durch Presse, Ausbau der Verkehrswege, Industrialisierung, Zunahme der städtischen Bevölkerung und Einführung der allgemeinen Schulpflicht wurde die sprachliche Norm im 19. Jahrhundert innerhalb Frankreichs generell verbreitet, die Dialekte wurden noch stärker zurückgedrängt. Zugleich wurde der (v. a. fachsprachliche) Wortschatz infolge der naturwissenschaftlich-technischen Entwicklung außer durch lateinische und griechische besonders durch Termini aus dem Englischen und Amerikanischen bereichert, eine Tendenz, die sich im 20. Jahrhundert fortsetzt. Diskussionen über den verstärkten Gebrauch von Fremdwörtern führten schließlich 1994 zu einem vielfach umstrittenen Gesetz, das v. a. den Einfluss der englischen Sprache in der Werbung, in den Medien sowie in amtlichen Mitteilungen und bei öffentlichen Veranstaltungen zurückdrängen soll.
 
Die französische Sprache der Gegenwart ist - gegenüber anderen romanischen Sprachen - durch weitgehende Reduktion des Wortkörpers sowie des phonemischen und morphemischen Bestandes gekennzeichnet; der Erbwortschatz ist meist ein-, höchstens zweisilbig; es gibt daher auch zahlreiche Homophone (z. B. vert »grün«, verre »Glas«, vers »Vers«, »Reim« und »in Richtung auf. ..«, alle [vɛ:r] gesprochen). Die Betonung liegt auf der letzten Silbe eines Wortes oder einer Sprecheinheit. Das Französische besitzt 16 Vokale, darunter - im Unterschied zum Italienischen und Spanischen - vier Nasalvokale und die gerundeten vorderen Vokale [y], [ø] und [œ]. Besonders im gesprochenen Französisch ist ein Rückgang (und Schwund) der vokalischen Oppositionen zu beobachten, so wird [ɑ] (z. B. in pâte) zunehmend wie [a] (in patte) und [œ̃] (z. B. in brun) wie [ɛ̃] (in brin) gesprochen. Die Reduktion des lautlichen Inventars im Lauf der sprachgeschichtlichen Entwicklung hatte den Verlust des Zweikasussystems und die kompensatorische Verwendung des Artikels (auch aufgrund der phonetisch meist identischen Singular- und Pluralformen), in der Verbalflexion (wo die Unterscheidung durch die Suffixe phonetisch nur noch zum Teil realisiert wird) die Markierung der Verbformen durch das Personalpronomen zur Folge; in der Verwendung solcher Funktionswörter zeigt sich die Tendenz zu einer analytischen Sprachform.
 
Die französische Sprache hat zwei Genera (Maskulinum und Femininum), zwei Modi (Indikativ und Konjunktiv, »Subjonctif«) und drei Zeitstufen (Präsens, Imperfekt und Futur); das Tempussystem weist differenzierte Formen zur Bezeichnung abgeschlossener und nicht abgeschlossener Handlungen auf. Auch in der Verwendung der Modi und Zeitstufen zeichnet sich eine generelle Tendenz zur Vereinheitlichung ab. So existiert der Konjunktiv des Plusquamperfekts (j'eusse chanté) nur noch in der gehobenen Schriftsprache; auch der Konjunktiv des Imperfekts (je chantasse) wird - besonders umgangssprachlich - in der Regel durch den Konjunktiv des Präsens (je chante) ersetzt. Das Passé simple (je chantai) weicht im gesprochenen Französisch dem Passé composé (j'ai chanté), für das Futur (je chanterai) tritt die durch Umschreibung gebildete Form (je vais chanter) ein. Umgangssprachlich ist auch die Meidung unregelmäßiger Verbformen und ihr Ersatz durch regelmäßige Verben (se sauver statt fuire »fliehen«). In der Syntax setzt sich umgangssprachlich auch im Fragesatz die regelmäßige Folge Subjekt-Prädikat-Objekt durch (z. B. durch Nachstellung der Fragepartikel: elle vient d'où? anstelle von: d'où vient-elle? »woher kommt sie?«). Besonders deutlich werden die Unterschiede zwischen geschriebenem und gesprochenem Französisch durch die etymologisierende Tendenz in der Orthographie. Für die Lexik ist - anders als in den übrigen romanischen Sprachen - die große Zahl der einander bedeutungsmäßig entsprechenden Erb- und Lehnwörter charakteristisch, deren begriffliche Zusammengehörigkeit in Schreibung und Lautung nicht mehr erkennbar ist (z. B. droit und direct »gerade«, »direkt«, père »Vater« und paternel »väterlich«, aveugle »blind« und cécité »Blindheit«). Der französische Wortschatz wird weiterhin durch Entlehnungen, besonders aus dem Griechischen und Lateinischen (v. a. im Rahmen der wissenschaftlichen Fachsprachen, z. B. vidéocommunication), sowie durch Anglizismen (z. B. happening, champion) erweitert. In der Wortbildung spielt die Wortkomposition (u. a. nach dem Muster Substantiv + Adjektiv, z. B. eau lourde »schweres Wasser«, ondes courtes »Kurzwelle«, sowie Substantiv + Substantiv, z. B. prêtre-ouvrier »Arbeiterpriester«) eine bedeutende Rolle. Bei komplizierteren Formen der Zusammensetzung werden - der Tendenz zum analytischen Sprachbau entsprechend - die Bezüge durch Partikeln, meist durch Präpositionen, verdeutlicht (z. B. machine à écrire de voyage »Reiseschreibmaschine«). Die für die Wortbildung sehr produktiven Präfixe (z. B. super-, hyper-, micro-, macro-, mini-, maxi-) und Suffixe (z. B. -ème, -logie, -isme, -iser, -ifier, -age, -isation, -ique) sind häufig Elemente der klassischen Sprachen, die auch in die Gemeinsprache vordringen. Charakteristisch für den Wortbildungsprozess sind ferner Kurzwörter (z. B. ciné statt cinéma, micro statt microphone, manif statt manifestation) und Akronyme (z. B. ONU [o'ny] statt Organisation des Nations Unis).
 
 Varianten
 
Als Sprachebenen des Französischen unterscheidet man im Allgemeinen »français cultivé«, »français commun« (»français courant«), »français familier«, »français populaire« und »français vulgaire« (»français argotique«). Die sprachliche Norm (»français standard«) - zwischen »français cultivé« und »français commun« angesiedelt - bestimmt die Form der Amts- und Schriftsprache sowie der französischen Sprache im Kontext überregionaler Kommunikation. Anders als noch im 17. und 18. Jahrhundert ist die Wahl des Sprachregisters heute nicht mehr v. a. an die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht, sondern an eine spezifische Sprechsituation gebunden. Gegenüber dem »français standard« sind das »français régional«, die »dialectes« und die »parlers« in der Regel Sprachformen mit geographisch (bei den »parlers« auf einen bestimmten Ort) beschränkter Verbreitung. Diese sprachlichen Subsysteme zeigen außer im Wortschatz auch in Phonetik, Phonologie und Morphologie Abweichungen vom Normfranzösischen. In den Randzonen des französischen Sprachgebiets kommt es zu Interferenzen mit Nachbarsprachen. Die meisten Dialektgebiete (z. B. der normannische, pikardische, lothringische oder champagn. Dialektraum) gehen auf Provinzen des Ancien Régime zurück; großräumigere Gliederungen (z. B. in Dialekte des Nordens, Nordostens, Südwestens, Zentrums, Ostens und Südostens) werden daneben seit dem 19. Jahrhundert vorgenommen. Ein weitgehender Schwund älterer Dialekte zugunsten der Regional- oder der Normsprache hat sich in der Île-de-France vollzogen; als besonders vital haben sich Randzonendialekte wie Wallonisch, Pikardisch und Lothringisch erwiesen.
 
In den französischsprachigen Gebieten außerhalb Frankreichs - wo die französische Sprache teilweise den Status einer Amts-, Verwaltungs- und Unterrichtssprache besitzt - haben sich neben der offiziellen Sprachform zum Teil eigenständige, gesprochene Varianten nach Art von Regionalsprachen herausgebildet, z. B. in Belgien, in Kanada und in der Schweiz. Diese weisen - bedingt durch geographische, kulturelle und/oder politische sowie entsprechende sprachliche Sonderentwicklungen - u. a. auch eine Reihe von im Standardfranzösischen nicht (mehr) vorhandenen Dialektismen, Archaismen und Bedeutungsverschiebungen auf, da sich sprachliche Ausgleichstendenzen weniger auswirken konnten. Grundsätzlich betreffen die Varianten jedoch - wie bei der französischen Sprache innerhalb bestimmter französischer Regionen und Dialektgebiete - über die Lexik hinaus auch das phonetisch-phonologische und morphologische System. Teilweise zeigen sich Interferenzen mit anderen Sprachen (u. a. in Kanada und in den USA mit dem Englischen), auch können sich Substratsprachen mit unterschiedlicher Intensität auswirken (zum Teil in Verbindung mit überregionalen Verkehrssprachen in Afrika); in einem Prozess der Pidginisierung haben sich - als Umgangssprachen - zum Teil französische Kreolsprachen entwickelt (so auf Haiti, Martinique und in den Départements d'Outre-Mer im Indischen Ozean). Während der Einfluss des Französischen teilweise (besonders in Asien nach dem Zweiten Weltkrieg) stark zurückgegangen ist, scheint die französische Sprache in anderen Ländern (zum Teil neben ihren offiziellen Funktionen als Amts-, Verwaltungs- und Unterrichtssprache) zum sprachlichen Medium für die Vermittlung technischer, ökonomischer und wissenschaftlicher Entwicklung (z. B. in Afrika) zu werden.
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Anglonormannisch · kreolische Sprachen · lateinische Sprache · Lothringisch · Normannisch · Pikardisch · provenzalische Sprache · Wallonisch
 
 
Bibliographien und Allgemeines:
 
Où en sont les études de français, hg. v. A. Dauzat (Paris 1935);
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W. Meyer-Lübke: Roman. etymolog. Wb. (51972);
 
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Grammatik und Wortschatz:
 
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O. Ducháček: Précis de sémantique française (Brünn 1967);
 
M. Grevisse: Précis de grammaire française (Gembloux 281969);
 
M. Grevisse: Code de l'orthographe française (Amiens 51970);
 
M. Grevisse: Le bon usage (Paris 121986);
 
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H.-W. Klein u. H. Kleineidam: Frz. Grundgramm. für Schule u. Weiterbildung (1979);
 
K. Togeby: Grammaire française, 5 Bde. (Kopenhagen 1982-85);
 
H. Weinrich: Textgramm. der frz. Sprache (1982);
 
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Grammaire du français, bearb. v. Y. Delatour u. a. (Paris 1991).
 
Phonetik, Phonologie:
 
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H. Weinrich: Phonolog. Studien zur roman. Sprachgesch. (21969);
 
M. Grammont: Traité de phonétique (Paris 91971);
 
M. Grammont: Traité pratique de prononciation française (Neuausg. ebd. 1984);
 
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W. Rothe: Phonologie des Frz. (21978);
 
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W. von Wartburg u. a.: Bibliographie des dictionnaires de patois Galloromans (Neuausg. Genf 1969);
 
J. Chaurand: Introduction à la dialectologie française (Paris 1972);
 
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G. Esnault: Dictionnaire historique des argots français (ebd. 1965);
 
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Universal-Lexikon. 2012.

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  • Französische Sprache in den Vereinigten Staaten — Französisch in den USA. In den gelb markierten Countys sprechen 6–12 % der Bevölkerung Französisch zuhause, in den braun markierten 12–18 %, in den rot markierten mehr als 18 %. Cajun ist hier nicht mit einberechnet. Die… …   Deutsch Wikipedia

  • Akademie für französische Sprache — Akademie für französische Sprache …   Deutsch Wörterbuch

  • Patois (französische Sprache) — Der Ausdruck Patois ist im Französischen eine Bezeichnung für eine lokale, von der Standardsprache abweichende Sprache, einen aus dem Normannischen abgeleiteten Dialekt in der Normandie und auf den Kanalinseln. Über lange Jahre galt der Gebrauch… …   Deutsch Wikipedia

  • französische Literatur — französische Literatur,   die Literatur Frankreichs und die französisch sprachige Literatur Belgiens. Nach der Gliederung der französischen Sprachgeschichte unterscheidet man zwischen altfranzösischen (9. 14. Jahrhundert), mittelfranzösischen (14 …   Universal-Lexikon